Krank und trotzdem bei der Arbeit (sogenannter Präsentismus)

Krank bei der Arbeit?
Krank bei der Arbeit?

Immer wieder kommt es vor, dass Beschäftigte trotz erheblicher gesundheitlicher Probleme, die aus ärztlicher Sicht eine Krankschreibung erfordern würden, zur Arbeit gehen. Dies nennt man „Präsentismus“. In manchen Fällen kann dies zur Chronifizierung der Erkrankung beitragen; bei Infektionen werden möglicherweise auch Kollegen angesteckt. Präsentismus ist aber auch betriebswirtschaftlich negativ zu bewerten: Beschäftigte, deren psychische und oder physische Gesundheit beeinträchtigt ist und die dennoch zur Arbeit gehen, sind weniger leistungsfähig, machen mehr Fehler und erleiden und verursachen möglicherweise mehr Unfälle. D. h. Präsentismus kann nicht nur den Betroffenen schaden, sondern das Unternehmen Geld kosten. Nach einer Untersuchung sollen die Produktivitätsverluste durch Präsentismus mindestens doppelt so hoch wie die Verluste durch kranke abwesende Mitarbeiter (Absentismus) sein.

Wesentliche Ursachen für „Präsentismusverhalten“ sind Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, Rücksicht auf Kollegen und Belastung durch liegenbleibende Arbeit. Wenn die Betroffenen durch ein Gespräch Verständnis und Unterstützung erleben, kurieren sie ihre Erkrankung eher aus als wenn sie unsicher sind. Es empfiehlt sich für Unternehmen und Vorgesetzte, nicht nur Fehlzeiten zu betrachten, sondern auch (selbstverständlich mit großer Sensibilität und wertschätzend) auf offensichtlich kranke Beschäftigte zuzugehen und sie auf die wahrgenommenen Krankheitszeichen anzusprechen.

Vielleicht lohnt sich für Führungskräfte auch ein Blick auf das eigene Verhalten – wie gehe ich mit meiner eigenen Gesundheit um, was leben ich meinen Mitarbeitern vor?

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement kann dazu beitragen, sowohl Absentismus als auch Präsentismus zu verringern. Das nicht nur eine Investition in die Betriebskultur, sondern auch von ökonomischen Interesse.

Weitere interessante Informationen finden sich in einer Broschüre der iga (Initiative Gesundheit & Arbeit).

Bild: Maria Lanznaster  / pixelio.de